Empathie
Als Empathie wird die Fähigkeit eines Menschen bezeichnet, sich in einen anderen hineinversetzen zu können und das, was dieser Mensch fühlt, nachempfinden zu können. Die empathische Fähigkeit reicht so weit, dass dieselben Emotionen des Gegenübers physisch gefühlt werden können.
Empathie ist für einen Narzissten nicht nachvollziehbar. Er ist nicht in der Lage, mitzufühlen, was du fühlst und erlebst. Das ist mitunter der Grund, warum er so skrupellos, sadistisch und perfide sein kann – er kann es nicht nachempfinden. Er kann den Schmerz und die Verletzung, aber auch die Freude und Liebe nicht nachfühlen.
Was jedoch präsent ist, ist eine kognitive Empathie. Dies ist eine rein intellektuelle, gedachte und nachvollzogene Empathie anhand von beobachtetem Verhalten. Es ist eine Art Mimikry, etwas Nachgeahmtes. Vereinfacht ausgedrückt:
- Ich sage zu der Person etwas, was sie wütend macht: So sieht Wut aus.
- Wut ✔️
- Ich sage zu der Person etwas, was sie traurig macht: So sieht Traurigkeit aus.
- Traurigkeit ✔️
- Ich sage zu der Person etwas, was sie eifersüchtig macht: So sieht Eifersucht aus.
- Eifersucht ✔️
Hier gilt es zu differenzieren: Narzissten fühlen diese Gefühle durchaus selbst. Sie können überaus wütend werden (Narzisstische Wut); auch Eifersucht und Neid spielen eine bedeutende Rolle im Leben des Narzissten. Er kann all das fühlen. Er ist jedoch nicht in der Lage, mitzufühlen, wenn jemand anderes es erlebt. Er weiß sehr wohl, dass es dem anderen weh tut, was er da macht, aber er kann es nicht nachempfinden. Denselben Schmerz, wenn jemand ihm dasselbe antut, kann er bei sich sehr wohl spüren und empfinden – aber eben nur bei sich, nicht bei anderen.
Er nimmt die Emotionen anderer kognitiv wahr; speziell die negativen Emotionen anderer dienen ausschließlich als narzisstische Zufuhr, von dem sich das falsche Selbstbild des Narzissten nährt. Mitgefühl, Mitleid, Empathie und Verständnis sind keine Termini im narzisstischen Habitus. Es geht nicht darum, Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen, sondern darum, sie so weit es geht zu unterdrücken und Macht und Kontrolle zu erlangen. Alles andere ist keine Option, und die kognitive Empathie dient lediglich zur Erreichung von Zielen, die eben diese Macht, Kontrolle und narzisstische Zufuhr sicherstellen.
Aufgrund dessen sollte nicht fälschlicherweise angenommen werden, dass ein Narzisst sich „erbarmt“ und plötzlich Verständnis für dich zeigt oder aus heiterem Himmel superempathisch wird. Das wird nicht passieren. Wenn er den Anschein von Empathie erweckt, dann ist es ein Spektakel, hinter dem sich ein bestimmtes Ziel verbirgt, das der Narzisst für seine Zwecke zu erreichen versucht.