KPTBS

KPTBS

CPTSD oder KPTBS ist die Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung. Es sei eingangs bereits erwähnt, dass von Selbstdiagnosen oder der Diagnose anderer ohne die dafür notwendige fachliche Ausbildung dringend abzuraten ist.

Bei KPTBS handelt es sich um ein psychisches Syndrom, das nach erlebten Traumata auftritt. Im Unterschied zur PTBS, also der Posttraumatischen Belastungsstörung, die durch ein einzelnes traumatisches Ereignis ausgelöst wird, sind bei KPTBS mehrere Ereignisse ursächlich. PTBS ist häufig bei Kriegsveteranen, Überlebenden von Naturkatastrophen oder Unfällen zu beobachten. KPTBS gilt eher als „man-made disasters“ und tritt nach wiederholtem psychischem, physischem, sexuellem oder emotionalem Missbrauch auf – etwa bei Flüchtlingen, Opfern von Vergewaltigungen oder Kindern aus dysfunktionalen Familien.

Kinder aus solchen Familien, die durch eine Palette an Gewalt geprägt sind, laufen zwangsläufig Gefahr, als Resultat des Missbrauchs hochgradig traumatisierte Erwachsene zu werden. Angenommen, ein Kind wird von seiner narzisstischen Mutter durch (emotionale) Vernachlässigung oder durch Angriffe wie Beleidigungen, narzisstische Wut, Silent treatment, Verachtung, Erniedrigung, Demütigung, weiteren psychischen und physischen Missbrauch geprägt. Dies hinterlässt tiefe Narben auf der Psyche und wirkt sich langfristig auf das gesamte Leben des späteren Erwachsenen aus.

Resilienzfaktoren spielen beim Ausmaß des Traumas eine Rolle. Nichtsdestotrotz hinterlässt der erlebte Missbrauch bleibende Spuren, die das Leben der Betroffenen massiv einschränken und erschweren. Das Trauma kann großen Einfluss auf folgende Bereiche haben und die Lebensqualität erheblich mindern:

  • emotionale Regulation
  • soziales Verhalten
  • Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstliebe
  • Bewältigungsstrategien
  • Konsumverhalten
  • Schlaf
  • Mut
  • Sicherheit, Vertrauen, Zuversicht
  • Ruhe, innere Ausgeglichenheit
  • Weltbild

Wenn diese Faktoren durch KPTBS beeinträchtigt sind, kann dies zu einer Vielzahl destruktiver Verhaltens- und Reaktionsweisen führen: Angst, Schlafstörungen, Verspannungen, Aggression, Substanzgebrauch, Alkohol- und Nikotinabhängigkeit, Selbstverletzungen, Unsicherheit, Nervosität, Sorgen, Misstrauen, Reaktivität, Selbstzweifel usw.

Dazu kommt das Phänomen der „Wiederholungszwang“, bei dem Betroffene das in der Kindheit erlebte Trauma im Erwachsenenalter unbewusst durch Partnerschaften immer wieder in ihr Leben holen. Das Verhalten des Elternteils war damals das einzige Beziehungsmodell, das sie kannten – es war „normal“. Später replizieren sie diese Dynamik und fühlen sich unbewusst von Menschen angezogen, die denselben Vibe ausstrahlen wie das toxische Elternteil. Einerseits, weil es vertraut ist, andererseits als unbewusster Versuch, das Erlebte nachträglich zu verarbeiten und „abzuschließen“. Doch dies misslingt: Der jetzige narzisstische Partner wird wie ein Avatar des früheren Elternteils – der Missbrauch setzt sich fort und die Symptome der KPTBS werden weiter verstärkt.

Es ist nicht einfach, aus solchen Strukturen auszubrechen, da Trauma und eingeübte Verhaltensmuster tief verankert sind. Doch es ist möglich. Mit Unterstützung, Geduld, Achtsamkeit und Fürsorge können Betroffene langsam aus den toxischen Fängen herausfinden und ein würdevolles Leben führen.

Quelle: angelehnt an Dixius, Andrea & Möhler, Eva (2019): Stress und Traumafolgen bei Kindern und Jugendlichen: Stabilisierende Interventionen nach Gewalt, Missbrauch und Flucht. Stuttgart: Klett-Cotta.

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