reactive abuse

Reactive abuse

Als reactive abuse wird eine Verhaltensweise des Empfängers von Missbrauch beschrieben. Wörtlich bedeutet der Ausdruck „reaktiver Missbrauch“, wobei hier das Opfer des Missbrauchs auf den Missbrauch mit Missbrauch reagiert. Das Wort „abuse“ ist hier etwas irreführend, denn wenn jemand Missbrauch erfährt, reagiert dieser mit einer Verteidigung dagegen. Die Verteidigung kann kontextlos als abusiv eingestuft werden.

Beim reaktiven Missbrauch verteidigt sich das Opfer jedoch gegen akuten Missbrauch beim Täter. Es geht nicht darum, dass jemand in der Kindheit missbraucht wurde und als Erwachsener selbst zum Täter wird: Dies ist damit nicht gemeint.

Besonders in Beziehungen mit einem Narzissten ist reaktiver Missbrauch üblich. Der Narzisst kann eine Situation inszenieren und beim Opfer eine emotionale Reaktion triggern, die aus dem Kontext herausgenommen als ein Wutausbruch oder Aggressionsanfall aussieht. So kann der Narzisst dann das Unschuldslamm spielen und für Dritte das Opfer als Täter oder als inadäquat darstellen. Das hat etwas vom DARVO, indem der Täter die Schuld auf das Opfer verlagert.

Missbrauch oder Gewalt ist inakzeptabel, das ist vollkommen plausibel. Wenn wir jedoch an uns selbst Gewalt erfahren, dann ist es einer der natürlichen, evolutionsbedingten Reflexe, uns zu verteidigen. Fight, flight, freeze oder fawn sind die möglichen Reaktionen (kämpfen, fliehen, erstarren, unterwerfen). Wenn jemand auf etwas unwahrscheinlich Unfaires mit dem Impuls fight reagiert und sich wehrt, dann ist es nicht als „abuse“ einzustufen, sondern als eine Verteidigungsreaktion. Dies ist besonders gravierend, wenn der Missbrauch bereits lange andauert und das Opfer viel durchmachen musste. Da kann es zu einer recht opulenten Rückmeldung kommen, weil sich viel Wut und Groll angestaut hat.

Leider sind solche Reaktionen für alle toxischen Menschen, wie die Narzissten, die ideale Chance, das Opfer noch weiter niederzumachen. Das bereits schon durch den Missbrauch herrschende ungerechte Verhältnis wird für das Opfer nun noch prekärer, weil der Narzisst nun (glaubhaft) behaupten kann, dass das Opfer der Täter ist. Abhängig davon, in welchem Kontext das passiert, ist es empfehlenswert, sich Unterstützung und Hilfe zu suchen und sich von derartigen Menschen oder Strukturen, die dieses Verhalten fördern, zu entfernen.

Grey Rock kann als Methode dienen, um zumindest nicht die gewünschte Reaktion bei sich triggern zu lassen. Grey Rock ist jedoch eine Methode, nicht die Lösung des Problems. Das Problem ist der Mensch, der den Missbrauch anfängt, und nicht der, der darauf reagiert. Gerade bei Narzissten steht fest, dass keine Änderung des toxischen Verhaltens in Sicht ist, und so hilft nur klares Setzen von Grenzen, emotionale Regulation und den Kontakt auf das Minimum zu reduzieren. Je weniger Exposition stattfindet und je größer der Abstand zu dieser toxischen Person, desto besser.

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